Abholung
Holen Sie Ihren neuen Gefährten möglichst morgens oder vormittags ab, damit er tagsüber bei Ihnen ankommen kann. Dies gibt ihm Gelegenheit, sein neues Zuhause bei Tageslicht zu erkunden. Wird es abends dunkel und ruhig im Haus, kennt er sich bereits etwas aus und fühlt sich sicherer. Ein Tierheim ist kein schöner Ort aber es ist alles, was Ihr neuer Hund bisher kannte. Durch den Umzug in ein besseres Leben verliert er sein gewohntes Umfeld, was zu Anfang große Unsicherheit verursacht.

Wenn Sie Ihrem künftigen Hund einige Tage vor der Abholung einen Gegenstand wie z. B. eine Decke überlassen, nimmt dieser den Geruch der gewohnten Umgebung an. Auf der Fahrt und im neuen Zuhause hilft der vertraute Geruch Ihrem Hund über die erste Unsicherheit hinweg. In seinem neuen Zuhause findet er außerdem besser zur Ruhe, wenn auf seinem neuen Liegeplatz die vertraute Decke liegt.

Hunde müssen häufiger Wasser lassen, wenn sie aufgeregt sind. Wenn Sie eine längere Heimfahrt vor sich haben, planen Sie ausreichende Pausen an einem ruhigen Ort, z.B. etwas abseits an einem Feldweg. Ihr Hund soll Gelegenheit bekommen zu trinken und sich zu lösen. Ein kleiner Leckerli-Snack zeigt ihm, dass Ihre Gegenwart für ihn etwas Positives ist, auch wenn rundum alles fremd und irritierend für ihn erscheint.

Öffnen Sie bei Pausen keine Autotür, bevor der Hund nicht sicher angeleint ist. Nicht selten werden entlaufene Tierschutzhunde vermisst, die erst kurze Zeit im neuen Zuhause sind noch keine feste Bindung zu ihren Menschen aufbauen konnten. Auch während der Fahrt vom Tierheim ins neue Zuhause kann dies passieren. Falls Ihr Hund sich während der Fahrt allein auf der Rückbank aufhalten soll, ist es gesetzlich vorgeschrieben, ihn durch ein gut sitzendes Geschirr und einen Sicherheitsgurt für Hunde zu sichern. Lassen Sie Ihren Hund bei Pausen nicht allein im Auto.

Gehen Sie bei der Ankunft als erstes mit Ihrem Hund in den Garten oder ein paar Schritte spazieren, damit er sich lösen kann.

Eingewöhnung
Nehmen Sie sich in den ersten Wochen viel Zeit für die Eingewöhnung Ihres neuen Familienmitglieds. Auch wir wissen oft nicht, welche Erfahrungen Ihr Hund gemacht hat, bevor er zu uns ins Tierheim gekommen ist. Sicher ist jedoch, dass er schon einige Verluste und Neuanfänge erleben musste. Wir begegnen all unseren Hunden im Tierheim mit Freundlichkeit und Respekt und vielleicht war sogar schon Gelegenheit, mit Ihrem Hund zu trainieren. Aber eines konnten wir ihm nicht geben: Bindung. Diese ermöglichen dem Hund erst Sie als neuer Hundehalter. Unabhängig von der Schwierigkeit der Ausgangslage kann jeder Hund der beste Hund der Welt werden. Gehen Sie daher umsichtig und liebevoll mit Ihrem neuen Familienmitglied um und ermöglichen Sie ihm, in Ruhe neue Erfahrungen in ausreichend kleinen Schritten zu machen.

Die ersten Stunden
Gehen Sie mit ihrem neuen Hund gemeinsam in das Haus oder die Wohnung und zeigen Sie ihm an der Leine in Ruhe alle Räume, die er auch in Zukunft betreten darf. Zeigen Sie ihm auch seine Schlaf- und Futterstellen und stellen im Haus (und Garten) frisches Wasser bereit. Dann lassen Sie Ihren Hund am besten erst einmal in Ruhe. Natürlich müssen Sie gelegentlich mit ihm ins Freie, falls er muss.

Sorgen Sie dafür, dass möglichst niemand zu Besuch kommt und alle Familienmitglieder sich zwar normal, aber nicht stürmisch verhalten. Überschütten Sie ihn nicht mit Geschmuse und vermeiden Sie vorerst Anforderungen wie Sitz-Platz-Bleib-Übungen. Machen Sie lieber Nähe- und Kontaktangebote, bei denen es ihm freisteht, ob er sie annehmen möchte. Sie können sich z.B. einfach nur in seine Nähe setzen und ein bisschen gemeinsam Zeit verbringen. Wenn er es wagt, Futter aus Ihrer Hand zu nehmen, können sie ihn mit der Hand füttern statt aus der Schüssel. Das stärkt das Vertrauen und die Bindung. Wenn er noch nicht gelernt hat, sich ruhig in einer Wohnung zu bewegen, und quasi über Tische und Bänke geht, schließen Sie einfach einstweilen die Tür zu Räumen mit empfindlichem Mobiliar. Er lernt mit der Zeit, sich ruhig zu bewegen.

Lassen Sie Ihren neuen Hund in den ersten Nächten keinesfalls allein. Vielleicht können Sie es einrichten, dass er vor Ihrem Bett schläft oder - wenn er nicht ins Schlafzimmer darf - schlafen Sie die ersten Nächte bei ihm dort, wo er künftig die Nacht verbringen soll. Es ist wichtig, dass Sie in den ersten Stunden der Angst und Unsicherheit an seiner Seite sind.

Lassen Sie Ihren Hund in den ersten Tagen keinesfalls von der Leine, denn noch weiß er nicht, dass er zu Ihnen gehört und auf Ruf oder bei Unsicherheit Ihre Nähe suchen soll. Es gibt sogar Hunderassen, die in der Regel lebenslang nur angeleint sportlich bewegt werden können - wie z.B. viele Schlittenhunde und Windhunde -, weil sie oft selbstbewusste, wildscharfe Selbstversorger sind. Beaufsichtigen Sie Ihren Hund zumindest anfangs auch unbedingt im Garten, sofern dieser nicht 100% ausbruchsicher eingezäunt ist. Oft genügt einem Ausreißer eine kleine Lücke und einige Hunde überwinden problemlos einen Zaun von 2,00 m Höhe und mehr.

Die ersten Wochen
Geben Sie Ihrem Hund die Zeit, die er braucht, um seine Angst und Unsicherheit zu überwinden. Seien Sie sein verantwortungsbewusster Beschützer vor Überforderung. Hund und Mensch müssen sich erst aneinander gewöhnen.

Verzichten Sie im ersten Monat auf Restaurantbesuche, Besuche bei Freunden und Familie, Ferienreisen usw. und laden Sie umgekehrt in dieser Zeit auch keine Freunde, Nachbarn oder Familie ein, besonders nicht um den neuen Hund zu besichtigen. Während all der Eindrücke, die Ihr Hund jetzt verarbeiten muss, braucht er viel Ruhe. Sie selbst müssen nicht auf leisen Sohlen durchs Haus schleichen, sondern verhalten sich normal. Bei anderen kann man das Maß und die Art der Unruhe oft schwer steuern oder wagt bedrängendes, übergriffiges Verhalten eines Besuchers der guten Freundschaft halber nicht zu unterbinden.